ND, Berlin-Kultur, 19.12.2006, Richard Rabensaat
Glühende Farben in strenger Geometrie
Das Werk Horst Bartnigs erfährt eine späte Rehabilitation / Ausstellung in der Zimmergalerie

ND 19.12.1006

Eingesperrt in einem viereckigen Kasten glüht das Orange wie eine Apfelsine. Daneben zwei grüne Formen, apfelfarben, aufrecht stehend. Neun rechteckige Flächen gliedern das Bild von Horst Bartnig, das die Zimmergalerie in der Auguststraße derzeit in einer Ausstellung des mittlerweile 70-jährigen Malers zeigt.
Die Wiederentdeckung von Bartnigs Werk durch den Kunstbetrieb korrespondiert mit einem neu erwachten Interesse am eltehrwürdigen Konstruktivismus. 1978 wurde Bartnig Mitglied des Verbandes Bildender Künstler der DDR. Entgegen der herrschenden figürlichen Erwartung beharrte der rauschebärtige Künstler jahrzehntelang auf einem eigenständigen Weg. Der war ihm nur deshalb möglich, weil er auch als Theatermaler für das Berliner Ensemble und das Deutsche Theater arbeitete. So konnte ein Werk entstehen, das in seiner Konsequenz und seinem lebendigen Variantenreichtum seinesgleichen sucht.
Zwar beschränkt sich Bartnig stets auf viereckige Formen und reduziert diese gelegentlich noch zu Linien und Strichen. Die aber dekliniert er mit einer Hingabe, die staunen macht. Dabei weisen zahlreiche seiner geometrischen Farbflächen nicht einmal Titel auf, worin sie den Farbtafeln Gerhard Richters gleichen. Die Experimente Bartnigs erstreckten sich schon früh auf die Einbeziehung technischer Elemente, er experimentierte mit Computergrafik und druckte davon inspirierte Strichätzungen. Zur Form wurde seine Bilderwelt mit ineinander verschachtelten kantigen Holzblöcken, die kompakt, hermetisch und unbeirrbar standfest im Raum ruhen.
Die verschiedenen Werkgruppen gliedern ein Werk, das mit einfachen Elementen zu einer hell und klar klingenden Sprache findet. In der Zimmergalerie öffnen nun lang gestreckte Liniengitter einen Bildraum, dessen komplimentäre Farbsetzungen trotz ihres Rückgriffs auf eine längst etablierte Bildsprache zeitlos wirkt.
Bartnig steht damit in einer Reihe mit wenigen konstruktiven Malern, die derzeit einen verhaltenen aber doch deutlich vernehmbaren Ton akzentuieren, wie faszinierend eine bar figürlicher Illustration frei schwingender Farbraum sein kann.
Bis 22. Dezember, Di. - Sa., 11 bis 18 Uhr, Zimmergalerie, Auguststraße 20 (2. OG), Mitte, Tel.: 61 07 30 01

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